About HausbooteXanten

Website:
HausbooteXanten has written 1 article so far, you can find it below.

Geschichte Xanten

*Quelle Wikipedia

Frühgeschichte

Erste Belege menschlichen Lebens im Stadtgebiet stellen im Raum Obermörmter gefundene Geweihhacken dar, die aus der ausgehenden Mittelsteinzeit stammen. Im Stadtzentrum wurden jungsteinzeitliche Gräber, Steinwerkzeuge und Töpfereiprodukte, in den Ortschaften Wardt und Vynen jungsteinzeitliche Beile gefunden. Bronzezeitliche Schwerter, Dolche und Ziernadeln wurden in Lüttingen, Wardt und Vynen entdeckt. Die frühesten Spuren einer dauerhaften Besiedlung sind auf dem Gelände des Archäologischen Parks nachweisbar und stammen aus der Eisenzeit.

Römische Besiedlung

Hauptartikel: Colonia Ulpia Traiana und Tricensimae

13 / 12 v. Chr. wurde das römische Legionslager Vetera auf dem Fürstenberg nahe Birten gegründet. Es sollte als Ausgangspunkt für Feldzüge ins rechtsrheinische Germanien dienen und war bis zu seiner Vernichtung im Rahmen des Bataveraufstands im Jahr 70 n. Chr. dauerhaft durch 8.000 bis 10.000 Legionäre besetzt. Nach der Zerstörung des Lagers Vetera I wurde nahe diesem ein zweites Lager, Vetera II, errichtet.

Die erste namentlich belegbare Zivilbevölkerung im Xantener Raum waren die im Jahr 8 v. Chr. in linksrheinische Gebiete umgesiedelten Sugambrer. Deren Siedlung unweit nordwestlich der Vetera I sollte sich später zu einer von 10.000 bis 15.000 romanisierten Galliern und Germanen sowie ehemaligen Legionären und deren Angehörigen bewohnten Stadt entwickeln. Der römische Kaiser Marcus Ulpius Traianus erhob sie um 110 n. Chr. zur Colonia Ulpia Traiana. Die Niederlassung entwickelte sich zum zweitwichtigsten Handelsposten der Provinz Germania inferior nach Claudia Ara Agrippinensium (der Stadt Köln). Einer lateinischen Inschrift zufolge kamen auch Besucher aus dem Gebiet der Niederlande zu Festspielen in die Stadt. Im Jahr 275 wurde Ulpia Traiana durch Franken beinahe vollständig zerstört. Um 310 entstand auf dem Gebiet der Ulpia Traiana eine neue Stadt namens Tricensimae, welche zwar kleiner, dafür aber besser befestigt und leichter zu verteidigen war. Zu Beginn des 5. Jahrhunderts nahmen die Überfälle germanischer Stämme jedoch dermaßen zu, dass die Siedlung endgültig aufgegeben wurde. Die jüngste im Gebiet der antiken Stadt gefundene römische Münze wurde auf die Zeit um 426 datiert.

Entstehung des Viktorstifts und der Stadt Xanten

Im 5. Jahrhundert begannen sich chattuarische Franken auf dem Gebiet niederzulassen.

590 erwähnte Gregor von Tours in seiner Schrift „Liber in gloria martyrum“ die Errichtung eines Oratoriums durch den Kölner Bischof Everigisil in der Nähe der Ortschaft „Bertuna“ zu Ehren des Heiligen Mallosus. Obgleich „Bertuna“ mit dem Ortsteil Birten gleichgesetzt werden kann, muss die Kapelle nicht notwendigerweise in Birten errichtet worden sein, so dass eine Errichtung über dem Gräberfeld südlich der einstigen Colonia im Stadtzentrum, wo der Bau mehrerer cellae memoriae bis ins 4. Jahrhundert nachgewiesen werden konnte, am wahrscheinlichsten erscheint. Gregor von Tours berichtete weiterhin, die Gebeine Mallosus′ seien erst nach Errichtung der Kapelle geborgen und in deren Innern beigesetzt worden, und auch die Gebeine Viktor von Xantens seien bei Bertuna begraben, bislang aber noch nicht gefunden worden.

Ab 752 ist im Stadtzentrum eine karolingische Kirche belegbar, um die in der zweiten Hälfte des 8. Jahrhunderts ein Stift zu Ehren Viktors angelegt wurde, dessen vermutliche Gebeine demnach schon zuvor geborgen und innerhalb der Vorgängerbauten bestattet worden sind. Im Glauben, das Stift über der Grabstätte Viktors und seiner Legionäre zu errichten, nannte man Kirche und Stift ad Sanctos (deutsch: bei den Heiligen). Erst nach Gründung des Stifts entwickelte sich südlich an diesen angrenzend der Stadtkern, der insbesondere von fränkischen und friesischen Händlern besiedelt wurde und auf den der Stiftsname Sanctos überging. Bereits 967 war daraus Xanctum geworden, 1144 Xantum, wenngleich sich auch Santen als Bezeichnung der Stadt noch bis ins 18. Jahrhundert sowie als rheinischer Dialektausdruck noch bis heute bewahrt hat. Da Xanten somit über dem ehemaligen Friedhof der Colonia entstand, blieben die Ruinen der einstigen Stadt unüberbaut, wurden jedoch fast vollständig abgetragen und für den Bau neuer Gebäude verwendet oder verkauft.

Mit seinem durch Grundbesitz und Kirchenschätze bedeutenden Viktorstift war Xanten zum Ende des 9. Jahrhunderts mehrfach von den Raubzügen der Wikinger in den Rheinlanden betroffen. 863 überwinterten diese auf der Bislicher Insel, zerstörten die mittlerweile durch einen dreischiffigen Kirchenbau ersetzte karolingische Kirche und brandschatzten 880 die Ortschaft Birten.

939 besiegten Truppen unter König Otto I. in der Schlacht bei Birten fränkische, sächsische und lothringische Truppen unter Heinrich I. Zusammen mit der Schlacht von Andernach im selben Jahr besiegelte dies die Zugehörigkeit des Rheinlands zum Reich Ottos I.

Spätestens seit der Ernennung des Kölner Erzbischofs Brun zum Herzog von Lothringen 953 stand Xanten unter kölnischer Obrigkeit. Im ausklingenden 10. Jahrhundert entstand im Westen der Stiftsimmunität ein befestigter Wohnsitz der Kölner Erzbischöfe, die Bischofsburg, von der nur die Grundmauern erhalten blieben. 1096 gewährte Erzbischof Hermann III. von Hochstaden während des Deutschen Kreuzzugs einigen Juden Zuflucht in der Bischofsburg, die schließlich jedoch Selbstmord begingen, um den Kreuzfahrern zu entgehen.

Spätestens mit Beginn der Amtszeit des Kölner Erzbischofs Hermann II. wurden in Xanten Münzen geprägt. Die ältesten erhaltenen Münzen aus den Jahren 1036 bis 1056 tragen die Umschrift SCA TROIA, begründet durch den zu dieser Zeit ebenfalls verwendeten Ortsnamen Troiae Minoris, der wahrscheinlich auf die Colonia Ulpia Traiana zurückging, aber auch Anlass für eine Legende um die Gründung Xantens durch die Trojaner gab. Zwischen 1216 und 1225 entstanden Münzen mit den Umschriften SANTUS VICTOR und MON[ETA] DE SANTEN. Um 1260 geprägte Münzen trugen schließlich die Umschrift SANTEN CIVI[TATIS].

1122 wurde Xanten als Teil eines kaufmännischen Netzwerkes am Niederrhein genannt, kurz darauf wurde das Kloster Hagenbusch als eines von sieben bis zur Säkularisierung im Stadtgebiet bestehenden Klöstern gegründet.

Am 15. Juli 1228 verlieh Erzbischof Heinrich von Molenark Xanten einen Tag nach Rees als ältester Stadt des unteren Niederrheins die Stadtrechte, in erster Linie um seine territorialen Ansprüche gegenüber den Grafen von Kleve zu unterstreichen. Friedrich von Hochstaden legte am 29. August 1263 den Grundstein für den Bau des gotischen St.-Viktor-Doms, welcher nach 281 Jahren schließlich vollendet und zum Zentrum des niederrheinischen Archidiakonats werden sollte.

Entwicklung der mittelalterlichen Stadt

Im Gegensatz zum längst mit Mauern und Gräben bewehrten Stift war Xanten weitgehend unbefestigt, die zunächst angelegten Holzpalisaden konnten die Besetzung Xantens im Geldrischen Erbfolgekrieg 1372 nicht verhindern. Nachdem Xanten von 1322 bis 1331 an die Grafen von Kleve verpfändet worden war, die gleichfalls Vogtrechte über das Stift und das 1116 gegründete Kloster Fürstenberg besaßen, war neben Rees, der Herrschaft Linn und Rheinberg insbesondere Xanten Anlass für drei zum Ende des 14. Jahrhunderts geführte Kriege zwischen Graf Adolf I. von Kleve und dem Kölner Bischof Friedrich III. von Saarwerden, der versuchte seinen weltlichen Einfluss am Niederrhein zu festigen und auszuweiten. Erst jetzt wurde Xanten ab 1389 auf einem fast rechteckigen Areal von knapp 25 Hektar mit einer bis zu acht Metern hohen Mauer (Bauzeit etwa 60 Jahre), vier Doppeltoren sowie 18 Türmen und Kleintoren befestigt. Während der Rhein im Nordosten und sumpfiges Gelände im Süden und Westen zusätzlichen Schutz boten, wurde die nördliche Befestigung unter anderem mit dem Klever Tor und einem als Kriemhildmühle genutzten Rundturm verstärkt ausgebaut. Während der Linner Fehde konnte Friedrich III. 1392 schließlich Linn und Rheinberg für sich gewinnen, verlor jedoch Rees und den nördlichen Teil Xantens an Adolf I. Von der Teilung der Stadt zeugt das über einen Wehrgang mit dem Meertor verbundene, 1392 erbaute Mitteltor.

Nachdem bereits 1402 das Agnetenkloster Xanten von Franziskanerinnen gegründet worden war, stieg der Ortsteil Marienbaum zwischen 1430 und 1441 zum ältesten Wallfahrtsort des Niederrheins auf. 1460 entstand dort ein Kloster der Birgitten, dessen Abteikirche St. Mariä Himmelfahrt als Pfarrkirche dient.

Mit Beginn der Soester Fehde 1444 fiel auch der südliche Teil Xantens an die Herzöge von Kleve. In der Folgezeit sank die Einwohnerzahl Xantens bedingt durch mehrfache Kriege und Missernten von 5000 zu Beginn des 16. Jahrhunderts bis zum Ende des 18. Jahrhunderts auf etwa 2000. Die Verlagerung des Rheins, an welchem die Stadt bis dahin gelegen hatte und der die Grundlage des Xantener Handels gewesen war, zerstörte mehrfach die Ortschaft Birten und führte zusätzlich zu einer Verschlechterung der wirtschaftlichen Situation der Stadt, die zu Beginn des 14. Jahrhunderts noch 14 Gilden gezählt hatte und nun allmählich in wirtschaftlicher Bedeutungslosigkeit versank.

 

Neuzeitliche Entwicklung

1572 entstand in Xanten eine evangelische Gemeinde, der jedoch bis ins 20. Jahrhundert hinein nur knapp fünf Prozent der Bevölkerung angehörten; bis zum Beginn des 21. Jahrhunderts wuchs die Gemeinde auf 20 Prozent an. 1547 war bereits im Ortsteil Mörmter eine evangelische Gemeinde entstanden, was bis ins Jahr 1811 zu zwei getrennten reformierten Kirchengemeinden führte. Als Xanten nach dem Jülich-Klevischen Erbfolgestreit als Teil des Herzogtums Kleve mit dem Vertrag von Xanten an die Kurfürsten von Brandenburg fiel, wurde die Evangelische Kirche mit der Katholischen Kirche gleichgestellt, 1647 wurde daraufhin auf dem Großen Markt eine Kirche errichtet und 1662 durch einen Kirchturm erweitert. 1609 wurde das Jesuitenkloster Xanten gegründet, 1628 verlegten Kartäuser ihr Kloster von Wesel nach Xanten und begründeten die Kartause Xanten.

Während des Achtzig- beziehungsweise Dreißigjährigen Krieges wurde Xanten 1598 und erneut 1614 von spanischen, 1641 von hessischen Truppen besetzt und teils entfestigt. Im Französisch-Niederländischen Krieg eroberten französische Truppen 1672 die Stadt, im Spanischen Erbfolgekrieg wurde Xanten schließlich abermals besetzt und zu Teilen zerstört.

1794 eroberten französische Revolutionstruppen die Stadt, die daraufhin wie das gesamte linke Rheinufer von Frankreich annektiert wurde. Ab 1798 wurde Xanten zum Verwaltungssitz eines Kantons im Arrondissement de Clèves des Département de la Roer, der neben Xanten auch die Mairien Büderich, Labbeck, Marienbaum, Sonsbeck, Veen und Wardt umfasste. 1802 ließ Napoléon Bonaparte das Viktorstift säkularisieren und die Bibliotheken der aufgehobenen Klöster mit der Stiftsbibliothek Xanten vereinigen. Durch den Wegfall der einstigen Stiftsangehörigen als wohlhabender Käuferschaft verschlechterte sich die wirtschaftliche Lage erneut. Aus Kostengründen wurde 1821 das Marstor, 1825 das Scharntor und weite Teile der Stadtmauer abgerissen.

Durch den Wiener Kongress gelangte Xanten ab 1814/15 wieder an Preußen, wo die Stadt im Zuge der Preußischen Verwaltungsorganisation am 23. April 1816 dem Kreis Rheinberg zugeordnet wurde, welcher 1823 mit dem Kreis Geldern vereinigt wurde. Von 1857 bis 1975 war Xanten schließlich dem neu gegründeten Kreis Moers angegliedert. Die Ruinen der Colonia Ulpia Traiana weckten zu dieser Zeit erstmals das Interesse von Archäologen, so dass zwischen 1819 und 1844 und abermals zu Beginn des 20. Jahrhunderts Ausgrabungen durchgeführt wurden. Auch die ehemaligen römischen Militärplätze von Vetera wurden in dieser Zeit untersucht.

Obgleich im 19. Jahrhundert 45 Prozent der Bevölkerung im verarbeitenden Gewerbe tätig waren und die Ansiedlung kleinerer Textilmanufakturen, Schnapsbrennereien und Bierbrauereien für einen bescheidenen wirtschaftlichen Aufschwung sorgte, blieb Xanten weitgehend landwirtschaftlich geprägt. Xantener Gewerbetreibende beschränkten sich vor allem auf die Weiterverarbeitung landwirtschaftlicher Produkte, wovon die ursprünglich als Ölmühle, inzwischen als Getreidemühle genutzte Kriemhildmühle und die 1853 errichtete Dampfkornbrennerei zeugen. 1885 lebten 3621 Einwohner in Xanten.

Ab 1922 existierte erneut ein Kloster im Stadtgebiet, das Kloster Mörmter, das bis 2007 Bestand hatte. Im September 1927 feierte die katholische Kirchengemeinde ihr 1600-jähriges Bestehen. Zur gleichen Zeit wurden unter anderem von Walter Bader Ausgrabungen unter dem Xantener Dom vorgenommen, bei denen schließlich zwei Märtyrergräber entdeckt und in die neu angelegte Krypta eingebunden wurden. 1937 verlieh Papst Pius XI. dem St.-Viktor-Dom den Titel einer Basilika minor.